„Kommst
du klar?“
Luzifer machte sich Sorgen, ob Lilly im Bad alleine zurecht kam, schließlich
war sie schon ziemlich angeschrägt.
„Natürlich, außerdem lass ich mir nicht gerne helfen,
wenn ich pinkle!“
rief sie. Er grinste in sich in hinein. Morgen würde ihr der Spruch
bestimmt wieder ziemlich peinlich sein. Er legte sich wieder zurück
in die Kissen. Hoffentlich meckerte sie nicht wieder wie beim letzten
Mal rum, dass seine Flügel nervten und zu viel Platz wegnahmen.
Sie hatte ihn stundenlang gelöchert, wie man mit den Dingern überhaupt
im Bett schlafen könnte. Sie hatte sich gar nicht vorstellen können,
dass er sogar auf dem Rücken schlafen konnte, aber dann wären
die Federn am nächsten Morgen total durcheinander. Er befürchtete,
dass sie sich im Schlaf drauflegen könnte, was genauso unangenehm
werden konnte, wie wenn jemand auf dem Arm einschläft. Früher
kamen sie wunderbar damit zurecht, nur seit Lillys Amnesie war alles
sehr viel komplizierter geworden. Charakterlich hatte sie sich kein
bisschen geändert, nur hatte sie von vielen Dingen eine sehr viel
menschlichere Ansicht bekommen. Sie kam aus dem Bad getapst
und eierte mit einem recht belämmerten, aber unheimlich süßen
Gesichtsausdruck auf das große Himmelbett zu. Er schmolz fast
dahin, so niedlich war sie in ihrem kleinen, weißen Nachthemdchen
anzusehen. Etwas hilflos stand sie vor dem Bett.
„Wo war meine Seite noch mal?“ fragte sie und kratzte sich
verlegen am Hinterkopf.
„Hier, wie immer,“ grinste er und klopfte neben sich auf
das Bett.
„Ach ja,“ kicherte sie, krabbelte unter die dünne Seidendecke
und kuschelte sich in seine Arme.
„Du kleine Säuferin,“ neckte er sie und stupste ihre
Nase an.
„So viel hab ich nun auch wieder nicht getrunken,“ nuschelte
sie leise an seiner Brust und gähnte. Er machte sich Sorgen, dass
sie schon müde war. Er würde sie aber schon wieder wach bekommen.
Er streichelte zärtlich ihre Wange und drückte ihr Kinn mit
dem Zeigefinger zu sich hoch. Er küsste sie erst zärtlich,
dann immer stürmischer. Plötzlich kicherte Lilly und entzog
sich ihm.
„Du bist gar nicht mehr müde, was?“
Luzifer grinste schief. Er war erst gar nicht müde gewesen, er
hatte nur so getan, um Mourose loszuwerden und Lilly so bald wie möglich
ins Bett zu kriegen. Aber das konnte er ja unmöglich sagen.
„Ich hab dich so vermisst,“ flüsterte er und drückte
sie wieder an sich. Er streichelte ihren Rücken und liebkoste sie
am Hals.
„Du bist einfach nur spitz, wie immer wenn ich wieder da bin,“
bemerkte sie schelmisch.
„Kann schon sein.“
Mittlerweile war es unmöglich geworden, das leugnen zu wollen.
Er schob den Träger ihres Hemdes beiseite und hauchte zarte Küsse
auf ihre nackte Schulter.
„Luzi?“
„Mhhh?“
„Warum willst du nicht, dass wir Weihnachten feiern?“
Er erstarrte und spürte den Ärger in sich aufsteigen.
„Willst du allen Ernstes jetzt mit mir darüber reden?“
Er sah sie missmutig an. Doch sie blickte völlig gelassen zurück
und zuckte mit den Schultern.
„Mit Mourose wolltest du nicht reden, wenn Lydie dabei ist auch
nicht. Und langsam müssen wir mit den Vorbereitungen anfangen,
wenn wir feiern wollen. Also wann denn sonst?“
Verärgert merkte er, dass alle Leidenschaft schlagartig verraucht
war.
„Könnt ihr nicht einfach akzeptieren, dass ich es nicht will?“
“Nein, nicht wenn du nicht sofort sagst, warum du das nicht willst.“
Er wunderte sich einen Moment lang über die komplizierten Negationen
in Lillys Satz. Anscheinend war sie doch nicht so betrunken wie es zuerst
erschien.
„Ich finde Weihnachten einfach total bekloppt. Außerdem
wird dann als nächstes Ostern gefeiert, dann Pfingsten und dann
der ganze andere Rest.“
„Och Spätzchen, hast du etwa Angst, dass wir plötzlich
alle zu bösartigen Christen mutieren?“
„Kein bisschen, es ist ja nur die Religion, die am brutalsten
das ganz normale menschliche Leben versündigt, dich fast ungebracht
hätte, und mit ihrer selbtherrlichen Propaganda dafür gesorgt
hat, dass ich mich unter der Erde verkriechen musste,“ bemerkte
er sarkastisch.
„Ach komm schon, das ist doch nicht wirklich der Grund, oder?“
Er schlug die Decke auf und stand auf.
„Wo willst du denn jetzt hin?“ fragte Lilly verwirrt.
„Irgendwo hin, wo ich meine Ruhe habe,“ sagte er scharf
und griff nach seinem Morgenmantel.
“Deine Ruhe vor mir hattest du doch lange genug,“ rief sie
ihm hinterher.
Luzifer spürte wie diese Worte wie ein Dolch in seine Brust drangen.
Viel zu lange war er von ihr getrennt gewesen. Jeder Tag erneut darum
bangend, ob sie aus dem Koma erwachen oder für immer einschlafen
würde. Und als sie dann doch erwachte, hatte sie ihn vergessen
und wies ihn ab. Dass sie wieder bei ihm war, erschien ihm häufig
noch wie ein Traum, doch allzu schnell konnte dieser Traum wieder zerplatzen.
Schnell ging er wieder zu ihr zurück und umarmte sie.
„Es tut mir so leid,“ flüsterte er und hielt sie einfach
nur fest.
„Schon gut, dann lassen wir das mit Weihnachten eben, wenn dir
das so wichtig ist,“ sagte Lilly versöhnlich.
Er lockerte seine Umarmung wieder und sah ihr in ihre runden grünen
Augen.
„Nein, macht was ihr wollt, aber lasst mich in Ruhe damit.“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Meist du das wirklich ernst?“
Er nickte. Es war nicht mehr wichtig, dass es ihn ärgerte. Solange
Lilly nur beim ihm blieb und glücklich war.
„Eigentlich bekommst du doch immer deinen Willen,“ frotzelte
er und streichelte ihre Wange. Darauf grinste sie, umschlang seinen
Hals und zog ihn auf sich herunter.
Gierig küsste sie ihn und schlang ihre Beine um seine Hüften.
Er war zwar zuerst irritiert von ihrem Verhalten, denn so hatte sie
sich seit Ewigkeiten nicht mehr benommen, aber es dauerte nicht lange
und das Feuer der Leidenschaft brannte wieder in jeder seiner Zellen,
mehr noch als zuvor. Genauso kannte er sie noch von früher, ohne
Hemmungen ihm gegenüber und voller sexuellem Selbstvertrauen.
„Ich liebe dich, ewig,“ sagte er und hielt ihren Blick fest,
als sie sich vereinigten.
©
2003 by Codo Stellaris