Kapitel 3

„Kommst du klar?“
Luzifer machte sich Sorgen, ob Lilly im Bad alleine zurecht kam, schließlich war sie schon ziemlich angeschrägt.
„Natürlich, außerdem lass ich mir nicht gerne helfen, wenn ich pinkle!“
rief sie. Er grinste in sich in hinein. Morgen würde ihr der Spruch bestimmt wieder ziemlich peinlich sein. Er legte sich wieder zurück in die Kissen. Hoffentlich meckerte sie nicht wieder wie beim letzten Mal rum, dass seine Flügel nervten und zu viel Platz wegnahmen. Sie hatte ihn stundenlang gelöchert, wie man mit den Dingern überhaupt im Bett schlafen könnte. Sie hatte sich gar nicht vorstellen können, dass er sogar auf dem Rücken schlafen konnte, aber dann wären die Federn am nächsten Morgen total durcheinander. Er befürchtete, dass sie sich im Schlaf drauflegen könnte, was genauso unangenehm werden konnte, wie wenn jemand auf dem Arm einschläft. Früher kamen sie wunderbar damit zurecht, nur seit Lillys Amnesie war alles sehr viel komplizierter geworden. Charakterlich hatte sie sich kein bisschen geändert, nur hatte sie von vielen Dingen eine sehr viel menschlichere Ansicht bekommen. Sie kam aus dem Bad getapst und eierte mit einem recht belämmerten, aber unheimlich süßen Gesichtsausdruck auf das große Himmelbett zu. Er schmolz fast dahin, so niedlich war sie in ihrem kleinen, weißen Nachthemdchen anzusehen. Etwas hilflos stand sie vor dem Bett.
„Wo war meine Seite noch mal?“ fragte sie und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Hier, wie immer,“ grinste er und klopfte neben sich auf das Bett.
„Ach ja,“ kicherte sie, krabbelte unter die dünne Seidendecke und kuschelte sich in seine Arme.
„Du kleine Säuferin,“ neckte er sie und stupste ihre Nase an.
„So viel hab ich nun auch wieder nicht getrunken,“ nuschelte sie leise an seiner Brust und gähnte. Er machte sich Sorgen, dass sie schon müde war. Er würde sie aber schon wieder wach bekommen. Er streichelte zärtlich ihre Wange und drückte ihr Kinn mit dem Zeigefinger zu sich hoch. Er küsste sie erst zärtlich, dann immer stürmischer. Plötzlich kicherte Lilly und entzog sich ihm.
„Du bist gar nicht mehr müde, was?“
Luzifer grinste schief. Er war erst gar nicht müde gewesen, er hatte nur so getan, um Mourose loszuwerden und Lilly so bald wie möglich ins Bett zu kriegen. Aber das konnte er ja unmöglich sagen.
„Ich hab dich so vermisst,“ flüsterte er und drückte sie wieder an sich. Er streichelte ihren Rücken und liebkoste sie am Hals.
„Du bist einfach nur spitz, wie immer wenn ich wieder da bin,“ bemerkte sie schelmisch.
„Kann schon sein.“
Mittlerweile war es unmöglich geworden, das leugnen zu wollen. Er schob den Träger ihres Hemdes beiseite und hauchte zarte Küsse auf ihre nackte Schulter.
„Luzi?“
„Mhhh?“
„Warum willst du nicht, dass wir Weihnachten feiern?“
Er erstarrte und spürte den Ärger in sich aufsteigen.
„Willst du allen Ernstes jetzt mit mir darüber reden?“
Er sah sie missmutig an. Doch sie blickte völlig gelassen zurück und zuckte mit den Schultern.
„Mit Mourose wolltest du nicht reden, wenn Lydie dabei ist auch nicht. Und langsam müssen wir mit den Vorbereitungen anfangen, wenn wir feiern wollen. Also wann denn sonst?“
Verärgert merkte er, dass alle Leidenschaft schlagartig verraucht war.
„Könnt ihr nicht einfach akzeptieren, dass ich es nicht will?“
“Nein, nicht wenn du nicht sofort sagst, warum du das nicht willst.“
Er wunderte sich einen Moment lang über die komplizierten Negationen in Lillys Satz. Anscheinend war sie doch nicht so betrunken wie es zuerst erschien.
„Ich finde Weihnachten einfach total bekloppt. Außerdem wird dann als nächstes Ostern gefeiert, dann Pfingsten und dann der ganze andere Rest.“
„Och Spätzchen, hast du etwa Angst, dass wir plötzlich alle zu bösartigen Christen mutieren?“
„Kein bisschen, es ist ja nur die Religion, die am brutalsten das ganz normale menschliche Leben versündigt, dich fast ungebracht hätte, und mit ihrer selbtherrlichen Propaganda dafür gesorgt hat, dass ich mich unter der Erde verkriechen musste,“ bemerkte er sarkastisch.
„Ach komm schon, das ist doch nicht wirklich der Grund, oder?“
Er schlug die Decke auf und stand auf.
„Wo willst du denn jetzt hin?“ fragte Lilly verwirrt.
„Irgendwo hin, wo ich meine Ruhe habe,“ sagte er scharf und griff nach seinem Morgenmantel.
“Deine Ruhe vor mir hattest du doch lange genug,“ rief sie ihm hinterher.
Luzifer spürte wie diese Worte wie ein Dolch in seine Brust drangen. Viel zu lange war er von ihr getrennt gewesen. Jeder Tag erneut darum bangend, ob sie aus dem Koma erwachen oder für immer einschlafen würde. Und als sie dann doch erwachte, hatte sie ihn vergessen und wies ihn ab. Dass sie wieder bei ihm war, erschien ihm häufig noch wie ein Traum, doch allzu schnell konnte dieser Traum wieder zerplatzen. Schnell ging er wieder zu ihr zurück und umarmte sie.
„Es tut mir so leid,“ flüsterte er und hielt sie einfach nur fest.
„Schon gut, dann lassen wir das mit Weihnachten eben, wenn dir das so wichtig ist,“ sagte Lilly versöhnlich.
Er lockerte seine Umarmung wieder und sah ihr in ihre runden grünen Augen.
„Nein, macht was ihr wollt, aber lasst mich in Ruhe damit.“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Meist du das wirklich ernst?“
Er nickte. Es war nicht mehr wichtig, dass es ihn ärgerte. Solange Lilly nur beim ihm blieb und glücklich war.
„Eigentlich bekommst du doch immer deinen Willen,“ frotzelte er und streichelte ihre Wange. Darauf grinste sie, umschlang seinen Hals und zog ihn auf sich herunter.
Gierig küsste sie ihn und schlang ihre Beine um seine Hüften. Er war zwar zuerst irritiert von ihrem Verhalten, denn so hatte sie sich seit Ewigkeiten nicht mehr benommen, aber es dauerte nicht lange und das Feuer der Leidenschaft brannte wieder in jeder seiner Zellen, mehr noch als zuvor. Genauso kannte er sie noch von früher, ohne Hemmungen ihm gegenüber und voller sexuellem Selbstvertrauen.
„Ich liebe dich, ewig,“ sagte er und hielt ihren Blick fest, als sie sich vereinigten.

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