Kapitel 14

Lydia hatte großen Spaß daran, den Weihnachtsbaum zu schmücken.
„Er ist doch größer, wenn man ihn im Raum stehen hat. Fällt recht wuchtig aus,“ bemerkte Lilly zweifelnd.
„Der ist toll!“ rief Lydia und kletterte auf eine Holzleiter, um den achtgezackten Stern auf die Spitze zu stecken.
„Warte, Lydie. Du musst den Zweig erst anspitzen,“ sagte Mourose, und reichte Lydia ihr Katana. Lydia konnte mit dem scharfen, leichten Schwert schon gut umgehen. Mourose hatte ihr schon so einige Kampftechniken beigebracht, und sie hatte sich als außerordentlich geschickt erwiesen.
„Jetzt geht’s!“ rief Lydia und warf Mourose ihr Katana wieder runter.
Luzifer kam dazu und ihm fiel der Unterkiefer runter.
„Was geht denn hier ab?“ fragte er mit lauter Stimme.
„Es ist Weihnachten, da gehört eben auch ein Baum dazu,“ bemerkte Mourose trocken.
„Ich hab nie etwas von einem Baum gesagt! Das schmutzige Kitschteil kommt sofort raus hier, der nadelt alles voll! Und was ist, wenn das Wasser ausläuft? Die Teppiche und Möbel hier drin sind unbezahlbar!“
„Och Papa, stell dich nicht so an! Ich hab noch nie einen Weihnachtsbaum schmücken dürfen,“ rief Lydia von ihrer Leiter herab.
„Lass ihr doch den Spaß. In zwei Wochen kommt er doch wieder raus,“ sagte Mourose versöhnlich.
„Und wir machen alles wieder sauber, versprochen,“ ergänzte Lilly mit einem bettelnden Augenaufschlag. Dem hatte er noch nie widerstehen können.
„Na schön. Ich hab hier ja sowieso nix mehr zu sagen,“ brummelte er.
„Juhu!“ rief Lydia und sprang leichtfüßig von der Leiter und rannte zu dem Haufen neugekauften Baumschmuck, um sich damit zu beladen. Luzifer schüttelte nur ungläubig den Kopf und ließ die drei Frauen wieder alleine. Er musste sich nur noch überlegen, womit er sich den Abend alleine beschäftigen konnte. Er wollte diese Tage einfach nur hinter sich bringen. Warum musste Weihnachten auch in dieser Zeit liegen?

„Luziee?“ rief Lilly mit zuckersüßer Stimme.
„Was ist?“ kam es aus dem Bad.
„Möchtest du mal kommen?“
„Ich bin in der Badewanne.“
„Wann bist du denn fertig?“ flötete sie.
„Weiß ich nicht, wieso?“
„Schon gut, Schatzi, ich komm später wieder.“
Sie ging zurück zu der Stube mit dem Weihnachtsbaum.
„Er badet,“ sagte sie zu Mourose und Lydia.
„Ich wage mal zu analysieren, dass er wohlweißlich versucht vor uns zu fliehen,“ grinste Mourose.
„Wir brauchen einen Plan,“ überlegte Lilly.
Mourose schüttelte den Kopf.
„Körperliche Gewalt ist wohl das einzige, was da helfen würde.“
Lilly grinste plötzlich.
„Ich habe da eine Idee. Wir warten noch eine halbe Stunde, dann könnt ihr die Kerzen schon mal anmachen. Ihr müsst mir allerdings helfen.“

Luzifer saß auf seinem Bett und zog sich an. Eine halbe Stunde hatte er schon rumgekriegt. Jetzt brauchte er eine neue Idee. Zeit totschlagen konnte er erfahrungsgemäß ganz gut, aber er musste an diesem Abend zusätzlich darauf achten, den Frauen nicht zu nahe zu kommen und es für sie aussehen zu lassen, als wäre er mit etwas wirklich wichtigem beschäftigt. Kaum hatte er sein Hemd an, kam Lilly in den Raum geschwebt. Ihr schelmischen Grinsen verriet, dass sie etwas im Schilde führte.
„Was willst du?“ fragte er sie sachlich. Sie kam mit großen Schritten auf ihn zu und stellte sich herausfordernd vor ihm hin.
„Dich!“ sagte sie und packte plötzlich seinen Kopf, um ihn an ihre Brüste zu pressen.
„Hmmpf!“
„Wie bitte?“ fragte sie unschuldig und ließ ihm etwas Luft zum atmen, aber nicht viel.
„Ich dachte, ihr wolltet heute Abend Weihnachten feiern!“ keuchte er und versuchte, sich etwas mehr Atemfreiheit zu erkämpfen, aber je mehr er sich wehrte um so kräftiger hielt Lilly ihn fest. Schließlich packte sie ihn mit einer Hand an ein paar Federn, so dass jede zusätzliche Bewegung für ihn sehr schmerzhaft geendet hätte.
„Mhhpff!“ protestierte er, doch sie erzählte mir gleichgültiger Stimme:
„Och, damit sind wir durch. Wir haben unsere Geschenke ausgepackt und das war es dann auch schon. Denkst du an Weihnachten wird noch mehr gemacht? Die Menschen gehen jetzt normalerweise vor die Glotze.“
Sie befreite ihn von ihrem Griff und er sah vorsichtig zu ihr hoch.
„Oder machen Sex,“ grinste Lilly ihn an. Allmählich sollte sich sein Verstand ausgeschaltet haben. Aber er war anscheinend noch zu verwirrt, um über sie herzufallen. Sie stieß ihn recht unsanft ins Bett und kniete sich über ihn, um ihn gierig zu küssen.
„Seit wann bist du so zurückhaltend?“ grinste er.
„Es ist das Fest der Liebe,“ erklärte sie mit einem lasziven Blick und knöpfte sein Hemd auf und küsste die freigelegte Haut. Er packte sie an der Taille, um sie auf sich herunterzuziehen, doch sie wand sich plötzlich frei und kletterte aus dem Bett.
„Was ist?“ fragte er verdutzt.
„Du kriegst mich erst, wenn du mich fängst.“
Ungläubig starrte er sie an.
„Ich hab keine Lust auf diese Spielchen,“ sagte er beleidigt.
„Dann gibt es eben keinen Sex,“ erklärte sie lapidar, drehte sich um und ging zur Tür. Luzifer saß mit verstörten Blick auf dem Bett und Lilly tat es schon fast leid, was sie mit ihm machte. Sie musste ihn aber irgendwie motivieren. Aber das sollte ihr nicht schwer fallen. Sie hob ihren Rocksaum langsam an, bis er nur noch kurz unter ihrem Hintern war.
„Willst du wirklich nicht?“ fragte sie unschuldig.
„Nein, das ist mir zu blöd, Lilly.“
„Weißt du, ich trage hier drunter keine Unterwäsche,“ erwähnte sie beiläufig. Es stimmte zwar nicht, aber das musste er ja nicht wissen. Sie blickte über ihre Schulter zu ihm und lächelte ihm aufmunternd zu.
„Du bist echt gemein,“ sagte er und grinste. Sie hob den Saum noch einen Zentimeter höher, und da sie einen Tanga anhatte, sah es wirklich so aus, als hätte sie nichts an.
„Ich verspreche es dir!“ flötete sie und wackelte mit dem Po.
„Wehe, wenn nicht!“ rief er und sprang aus dem Bett. Schnell rannte Lilly los, denn jetzt wurde es brenzlig. Sie riss die Tür auf, schlüpfte hindurch und knallte sie wieder zu. Schnell raste sie den Gang herunter und hörte noch, wie sich hinter ihr die Tür wieder öffnete. Sie streckte ihm noch schnell die Zunge raus, bevor sie in den nächsten Flur abbog. Sie hörte seine Schritte hinter sich und sie kamen immer näher.
„Ich krieg dich schon noch, du freches Biest!“ rief er, rannte den Gang herunter und stieß mit Mourose zusammen, die seltsamerweise auf der Treppe rumlungerte.
„Pass doch auf!“ rief sie und hielt ihn fest, da sie anscheinend das Gleichgewicht verloren hatte. Er riss sich so schnell es ging wieder von ihr los, hatte aber trotzdem ein paar wertvolle Sekunden verloren. Er rannte Lillys mittlerweile schon weiter entfernten Schritten hinterher. Dummerweise war sie diesen Gang entlanggelaufen, er war zu niedrig zum Fliegen. Er sah wie Lilly in eine Sackgasse hineinrannte und an verschlossenen Türen rüttelte.
„Jetzt hab ich dich aber!“ lachte er triumphierend. Doch Lilly schlug im letzten Moment einen Haken, stieß vor sich eine Tür auf und rannte hinein. Ohne weiter nachzudenken, rannte er hinterher.
„Jetzt“ rief plötzlich eine körperlose Stimme hinter ihm und er hörte, wie die Tür hinter seinem Rücken zugeknallt wurde. Erstaunt sah er wie Lydia die Tür abschloss und den Schlüssel darauf mit einem breiten Grinsen hochhielt.
„Was soll das?“ fragte er und wollte ihr den Schlüssel abnehmen, doch plötzlich materialisierte Mourose sich vor ihm und drohte mit ihrem Katana.
„Falscher Weg, Freundchen!“ griente sie.
Verwirrt drehte er sich wieder um, um zu sehen wo Lilly abgeblieben war, doch sie stand direkt vor ihm und kam langsam wieder zu Atem. Bevor er sich wieder soweit gefangen hätte, eine schlaue Reaktion zu zeigen, schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn.
„Alles Gute zum Geburtstag nachträglich,“ raunte sie in sein Ohr und ließ ihn wieder los, um ihn für die anderen freizugeben.
„Von uns auch,“ riefen Lydia und Mourose und umarmten ihn.
Er war viel zu verwirrt und überwältigt, als dass er noch irgendetwas hätte sagen können. Seltsamerweise war seine Wut und Enttäuschung über Lillys Verhalten sofort verflogen.
Erst langsam nahm er seine Umwelt wieder war und sah, dass er vor dem großen hellen Weihnachtsbaum stand.
„Und? Gefällt er dir?“ fragte Lilly und schmiegte sich an seine Seite. Er blickte zu ihr herunter und küsste ihre Stirn.
„Ach weißt du, mit den Kerzen dran sieht er gar nicht so schlecht aus.“

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